Daniel Küblböck

In

Daniel der Zauberer

 

„Die Geschichte eines jungen Mannes, der auszog, das Fürchten zu lernen,

und mitten im Winter entdecke das in ihm ein unbesiegbarer Sommer  war!“

Wenn dein Schicksal
grenzenlose Bewunderung und totale Ablehnung ist,
wenn die Liebe dein Leben verzaubert,
aber der Hass dir Albträume bereitet,
wenn Geister, Zauberer und Bösewichte deinen Weg begleiten,
wenn du vor nichts mehr sicher bist, außer der Zuversicht,
dann ist der Moment gekommen,
dein eigenes Licht im Dunkeln zu finden ...

DER FILM

Inhalt

Von Millionen geliebt, von Vielen gehaßt. Zwischen endloser Bewunderung und totaler Ablehnung muß Daniel leben, das ist sein Schicksal.

Zwei Teenager projizieren ihren Weltfrust auf Daniel und haben sich entschlossen: "Der Küblböck muß weg!". Sie wollen ihn während eines Konzerts in Passau auf offener Bühne erschießen, in der Hoffnung, damit selber zum Superstar zu werden.

Daniel steht vor seiner größten Prüfung. Diesmal geht es nicht um Schlangen und Kakerlaken, sondern um sein Leben. Mit Hilfe seines Großvaters Johnny, der zwar schon lange tot ist, aber ihn als sein Schutzengel begleitet, versucht Daniel seine Hasser mit Liebe und "positiver Energie" zu entwaffnen.

Schamoni, Lommel und Küblböck

Produzent Peter Schamoni, Regisseur Ulli Lommel und "Superstar" Daniel Küblböck über "Daniel, der Zauberer", über Hass und Liebe, über die Deutschen und die Medien.

Ein in Los Angeles lebender Fassbinder-Schauspieler, der mehrmals mit Andy Warhol arbeitete. Ein renommierter Münchner Spiel- und Dokumentarfilm-Regisseur. Und schließlich ein junger Fernsehstar aus Passau: Ulli Lommel (Liebe ist kälter als der Tod), Peter Schamoni (Frühlingssinfonie) und Daniel Küblböck (RTL - Deutschland sucht den Superstar). Eine fast schon grotesk-absurde Kombination, mag man meinen.

Zusammen haben sie nun einen halbdokumentarischen Film gedreht, der am 12. August in die Kinos kommt, und dem Fernseh- und Medienereignis um die kontroverse Person Daniel Küblböcks nachgeht: "Daniel, der Zauberer". Die einen lieben den jungen Sänger, für sie ist er Kult. Die anderen hassen ihn regelrecht, den bisexuellen 18-Jährigen. Lommel und Schamoni hat dieser Spagat, dieses Phänomen gereizt: Lommel schrieb das Drehbuch, verknüpfte Live-Konzert-Mitschnitte mit einer kleinen fiktiven Rahmenhandlung, führte Regie und spielt selbst eine der Rollen, den großväterlichen Schutzengel Johnny; Peter Schamoni übernahm die Produktion und den Part des Küblböck-Hassers Winter. Zu viert saß man nun in München-Bogenhausen beim Gespräch, zuhause, in Schamonis Haus.


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Filmbesprechung:
Daniel, der Zauberer

Herr Lommel - wie kommt man darauf, einen Film über Daniel Küblböck zu machen? Wo liegt der Anfang dieses Projektes?

Ulli Lommel: Ich glaube, mit mir fing das Ganze an. Ich war letztes Jahr im Oktober in München, da es auf den Hofer Filmtagen eine Retrospektive meiner Filme gab. Eines Abends kam ich nach Hause, und da sagte mir meine Freundin Pia, sie hätte heute jemanden im Fernsehen gesehen, in einem Videoclip, und den ganz fantastisch gefunden. Scheinbar sei er sogar deutsch, der habe so einen komischen Namen, das müsse ein Deutscher sein. (Daniel Küblböck amüsiert sich darüber und lacht.) Sie hörte gar nicht auf, davon zu reden, wie toll der sei, dass das ansteckend sei, was der habe, auch dieser Charme. Ein paar Tage später sah ich das dann selbst, und fand es auch gut. Dann ergab ein Zufall den nächsten. Wir wurden erst auf das Oktoberfest eingeladen, wo ich eigentlich nicht hinwollte, weil ich so etwas nicht ausstehen kann, aber meine Freundin, die Amerikanerin ist, wollte das unbedingt einmal sehen. Also bin ich ihretwegen hingegangen, und dort lernten wir Herrn Aufhauser kennen, der bei Salzburg lebt und für RTL einen Event mit Tieren organisierte, eine Show. Dafür suchten sie eine Jury, und luden mich ein. Da habe ich erneut gesagt, dass ich so etwas nicht mitmache, aber - meine Freundin wollte nach Salzburg. Und dort wurde uns der Daniel direkt an den Tisch gesetzt, wir saßen nebeneinander. Und sofort kamen Pia und Daniel ins Gespräch...

Und nach dem Oktoberfest, nach Salzburg...

Lommel: ...sagte mir Pia, dass wir wieder eingeladen sind, in ein Konzert mit Daniel, am 2.November, im Circus Krone. Da habe ich ihr gesagt, es reiche mir wirklich, wir fliegen am 30. Oktober nach Amerika, ich soll dort einen anderen Film drehen, habe gar keine Zeit, noch länger hier zu bleiben. Wir können das nicht. Da wurde sie stinksauer und hat mich regelrecht gezwungen, zu diesem Konzert zu gehen.

Und dort haben Sie Daniel, wenn man denn so will, für sich "entdeckt" - und für den Film. Er ist für Sie also Leinwandkompatibel.

Lommel: Ja, und vom allerersten Moment an, in dem Daniel aufgetreten ist, habe ich in dem Circus Krone eine Atmosphäre gespürt, so etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt.

Das müssen Sie nun genauer beschreiben...

Lommel: Es ist die Beziehung, die er innerhalb einer Sekunde mit 3000 Leuten begonnen hat - die war so etwas von intim, von echt, von authentisch. Das habe ich noch nie erlebt. Auch nicht bei Michael Jackson, nicht bei Liza Minnelli - die ich alle auf Konzerten gesehen habe. Und fünf Minuten später war von diesen 3000 Zuschauern mindestens die Hälfte in Tränen. Und ich guckte mich um, und meiner Freundin Pia liefen auch die Tränen runter, nur, sie weint überhaupt nie, bei irgendwas. Mich hat das einfach mitgenommen, das Ganze. Und die Kombination meiner persönlichen Erfahrungen mit dem Phänomen Daniel und Deutschland hat mich dazu bewogen, quasi über Nacht eine Geschichte zu erfinden. Den anderen Film in Amerika habe ich abgesagt.

Daniel, wie war das für Dich, als Ulli Lommel mit der Film-Idee zu Dir kam? Noch jemand, der was will und Vorurteile hat...

Daniel Küblböck: Ich habe den Namen Ulli Lommel vorher natürlich noch nie gehört, weil ich mich auch nicht mit Fassbinder beschäftigt habe, was auch ganz normal ist, wenn man aus Eggenfelden kommt. Ich kannte auch Peter Schamoni nicht, nur seinen Film "Zur Sache, Schätzchen", den hat meine Oma auf Video zu Hause. Und ich weiß noch ganz genau, als das Konzert in München zu Ende war, da stand Ulli hinter der Bühne und hat nichts gesprochen. Und während seine Freundin laut geschwärmt hat, war er ganz still, und ich dachte mir, dem hat das nicht gefallen, das ist nicht seine Welt, was ich mache. Er musste dann auch gleich weg, ist nicht mit uns weggegangen, weil er über eine Idee nachdenken wollte. Die hat er später meinem Vater erzählt. Und so kam ich in etwas rein, was ganz anders für mich ist. Sonst hatte ich mit RTL zu tun. Und auf einmal war ich mit Ulli und Peter in einer Welt, die ganz anders ist, in der man nicht über dieses ganze Oberflächliche redet. Etwas ganz anderes, und ich habe Spaß daran gefunden, dachte mir, das ist gut, wenn diese zwei Welten aufeinander treffen.

Aber diese andere Welt der Fassbinders und Lommels war oder ist Dir eine fremde Welt?

Küblböck: Ich würde sagen, dass sie mir nicht fremder war als die RTL-Welt. Ich glaube sogar, dass die mir fremder ist. Ich habe schnell gemerkt, dass Ulli Lommel mich nicht einfach als Figur sieht, als Kunstobjekt, wie das so Viele tun. Er war ja mit all dem Star-Casting überhaupt nicht konfrontiert, und ist ganz anders an die Sache heran gegangen. Hätte ich jetzt einen RTL-Film gedreht, wäre es eine andere Welt gewesen. Es kamen nicht diese idiotischen Fragen, warum ich jetzt bisexuell bin. Er kam mit Themen, die interessanter waren als das, was ich vorher kannte.

Und Sie, Ulli Lommel, wussten im Gegensatz zu vielen anderen Menschen bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht, wer Daniel Küblböck überhaupt ist.

We Daniel, der diese Superstar-Sache hinter sich hatte, noch ich wussten, dass er in Deutschland solch eine Polarität kreiert hat. All das wusste ich nicht, das ganze Drumherum, und deswegen war ich völlig unbelastet. Ich hatte also nicht diese Vorurteile, und auch nicht diese Fan-Liebe. Sondern ich war wie jemand, der von einem anderen Stern kommt.

Aus L.A. zumindest, also fern, aber objektiv...

Lommel: Ich hatte diese Objektivität, ja, die ich allerdings vielen Deutschen abstreite. Wie man dem Daniel hier begegnet, das halte ich für absoluten Wahnsinn. Und es hat eben mit Daniel viel weniger zu tun, als mit irrationalen Gefühlen, die die Deutschen haben, und für die ich immer noch keine Erklärung gefunden habe, weil sie so extrem sind.

Herr Schamoni, Sie sind mit Ulli Lommel seit Jahrzehnten befreundet, haben auch zusammen gearbeitet. Dann kam er plötzlich mit dem Küblböck-Stoff zu Ihnen.

Peter Schamoni: Man muss sich einfach mal die Situation vorstellen: Es gab in der letzten Zeit Retrospektiven sowohl zu Ulli Lommels Filmen, als auch zu meinen. Mit Bildbänden und Katalogen. Und niemand hier wollte mit uns einen neuen Film machen. Wir hatten ein neues Drehbuch, "Fassbinder in Casablanca", das einfach überall abgelehnt wurde. Dann kam Ulli zu mir und wollte mit dem sogenannten "durchgeknallten Frosch", dem Küblböck, einen Film drehen. Ich fand das zunächst absurd - bis ich Daniel dann kennen lernte und meine Meinung änderte. Und dieser Film jetzt, "Daniel, der Zauberer", ist, wenn man so will, ein völlig autonomes, völlig freies, unabhängiges Selbsthilfeprojekt. Wir haben keinerlei Filmförderung, Fernseh- oder Verleihbeteiligung. Und was ich dabei so wichtig finde, ist eben diese liebevolle Begegnung von Ulli mit dem Daniel, ohne jede Häme, ohne jede Missgunst. Ulli beschreibt hier die Situation eines jungen Menschen in seiner Unbekümmertheit. Ein schillerndes Poptalent, das noch nicht genau weiß, wohin die Reise eigentlich geht. Daniel selbst nennt diese Unbekümmertheit "positive Energie". Das finde ich wunderbar, und auch diese Kombination von ihm und uns.

Ihre Rolle im Film spiegelt ihre eigene Haltung wieder: Erst sind sie der Küblböck-Hasser.

Schamoni: Ja, es ist eine Wandlung, die ich auch selbst gemacht habe, daher wurde meine Rolle dann auch etwas größer. Irgendwann sagte ich, so schlimm wie Heino ist er ja nicht. Ich glaube, mit meiner Figur können sich viele Zuschauer, zumindest die älteren, die bürgerlichen, identifizieren. Ich bringe alle Vorurteile, die man gegen Daniel hat, mit ein. Wir thematisieren auch die Negativ-Haltung gegen Daniel.

Dieses Negative - ist das etwas "typisch Deutsches"? Immer wieder, noch immer, ist zu hören und zu lesen, wir haben keine Identität, wir lieben uns nicht selbst.

Lommel: Also, für derart irrationales Verhalten gibt es ja keine rechten Erklärungen. Deswegen wurde die Psychiatrie erfunden, nehme ich mal an. Nur, wie ganz Deutschland zum Psychiater gehen soll, kann ich mir rein praktisch schwer vorstellen. Und es hätte dann schon in den 30er Jahren gemacht werden müssen. Tja, Deutschsein. Ich weiß aus meiner eigenen Kindheit, in Deutschland wurde man so erzogen, da macht man bestimmte Dinge einfach nicht. Ein Junge weint nicht. Man hat sich zu benehmen. Und nun kommt der Daniel an, und er macht all die Dinge, die man eben nicht macht, und er ist nicht bereit, diese festen und bürgerlichen Rollen anzunehmen. Er kreiert seine eigene Rolle. Er bricht Tabus. Er schminkt sich. Er zieht Mädchenkleider an. Er weint. Er lacht. Er ist albern, ist hysterisch. Kurz: Er benimmt sich halt nicht. Und weil er das auf öffentlicher Ebene macht, glaube ich, dass die einen das als Erlösung empfinden und ihn lieben, und die anderen das nicht ertragen können und ihn hassen. Und so, wie Andy Warhol einmal auf die Frage meinte, was ihn denn zu dieser amerikanischen Universal-Popikone gemacht habe: "Es ist der Andy Warhol in Dir", so hat der Hass auf Daniel Küblböck weniger mit ihm selbst zu tun, als mit dem Daniel in denen, die ihn hassen.

Daniel, findest Du Dich in Ulli Lommels Film wieder, ist das ein authentisches Bild von Dir?

Küblböck: Es ist immer schwer, über sich selbst zu sprechen, ich weiß auch gar nicht, was ich auf andere ausstrahle. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich so sehr polarisiere, wurde in der Schule immer anerkannt, auch wenn ich nie die geradesten Wege gegangen bin. Als ich in Thailand zu Konzerten war, sagte ich vorher zu einer Begleiterin, die Leute werden mich bestimmt hassen, eben weil ich das aus Deutschland kenne und es mir schon regelrecht einrede. Sie war völlig überrascht und sagte, dass das Publikum dort mich doch liebe. Es gibt dort auch dieses Polarisieren nicht, wo die einen sagen, der kann nichts, der ist nichts, und die anderen, der ist toll und sieht super aus. Aber ich bin die Person, die ich bin, und nicht die, die so gerne in mir gesehen wird. Und der Film ist ja mir gegenüber auch kritisch. Und als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, habe ich mich schon gefragt: Bin das ich? Ich versuche ja, durch meine lustige oder positive Art auch nach außen etwas zu verstecken. Die Traurigkeit in mir, die ich lange nicht zeigen konnte. Und in diesem Film habe ich meine eigene Traurigkeit gefunden...

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